»Soziale Herausforderungen« beim Betrieb eines Routers

Das ist aber echt schlimme Proleme, dass da dann Leute stehen. Wahrscheinlich sind es “dunkle Gestalten”.
Würden die Nachbarinnen und Nachbarn mit machen und ihr WLAN teilen, so würde sich das mit den Menschen schön verteilen.

Es stört niemanden, dass “da Leute stehen”. Was stört ist, dass die Leute stehen und lautstark über das offene WLAN telefonieren. Da die Häuser hier eben ungeschickt stehen, kommt es zu einem starken Hall-Effekt. Und das nach 22:00 Uhr, wenn manche Menschen schlafen möchten oder müssen. Und als Betreiber des Knotens bin ich der Meinung, dass solche “Störungen” nicht sein müssen. Die Abschaltung Nachts ist für mich eine praktikable Lösung.

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Ich wohne im gleichen Ort wie @postapo und auch meine Nachbarn hatten schon Kontakt zu »dem wilden VoIP-Telefonierer«. Es ist durchaus etwas, das man mal thematisieren müsste, denn ein Freifunk-Knoten hat ja auch immer eine soziale Komponente. Daher habe ich das mal in ein neues Thema verschoben.

Bestandaufnahme: Ich wohne direkt am Neckardamm und habe meine Knoten so gemeshed, dass Freifunk auch auf dem Damm empfangbar ist. Sonst ist da eigentlich nichts, es steht keine Bank oder ähnliches. Einfach nur ein steiler Hang und ein betonierter Weg. Im Sommer kam es immer wieder vor, dass ich mitbekommen habe wie Menschen sich gefreut haben, dass sie plötzlich WLAN hatten. Es ist nicht schnell, ich habe eine Gesamtkapazität von ~4,5MBit down und 0,7MBit up. Aber es scheint die Menschen zu freuen und ihnen zu reichen.

Es gab aber auch mal eine unschöne Situation, eine Zeit lang verirrte sich immer eine Gruppe Austausschschüler dorthin, hörte laut Musik, saß auf dem Damm rum und behinderte so Fußgänger und Radfahrer und verhielt sich halt so, wie man es von Teenies erwartet. Der nachbarschaftlichen Aufforderung doch Freifunk auszuschalten, damit sie gehen, bin ich nicht nachgekommen, sondern ich bin zu ihnen hin und habe erklärt, dass ihr Verhalten (laute Musik, laute Gespräche, rücksichtslose Raumnutzung) die Anwohner stört und ob sie bitte vorerst woanders hingehen könnten und, wenn sie wiederkommen, bitte sich angepasster verhalten sollen. Reaktion: Die Musik wurde ausgemacht und die Leute sind geblieben. Zumindest so lange, bis ich dann wirklich Freifunk ausgemacht habe.

Der »wilde VoIP-Telefonierer« kam dann einige Zeit später, immer nach Einbruch der Dunkelheit und steht dann alleine auf dem Damm und telefoniert. Nicht übertrieben laut, es schallt auch nicht, aber auch hier stört es wieder die Nachbarn, wenn ein Unbekannter vor ihrem Haus im Dunkeln steht und die ganze Zeit redet.

Ich seh das so: wenn ich, im übertragenen Sinne, einen Kanister Wasser vor meine Haustüre stelle und es kommen Leute, trinken es aus weil sie Durst haben und verlangen nach mehr, dann scheuche ich sie nicht weg sondern gebe ihnen mehr. Wenn ich es entbehren kann… Ich hab Verständnis dafür, meine Nachbarn nicht. Nachvollziehbar ist es, wenn sie stören, was die Jugendgruppe tat, der VoIP-Telefonierer aber nicht wirklich. Er ist in einem öffentlichen Raum, ist nicht übermäßig laut, aber seine Anwesenheit stört manche Leute einfach.

In dem man alternative Möglichkeiten schafft kann man solche Situationen entschärfen. Nun ist in Neckarhausen das Internet aber noch ziemlich schlecht und ich kann verstehen, wenn Menschen, denen das Internet selbst kaum reicht (Videostreaming kannste hier vergessen) nicht bereit sind einen Router aufzustellen. Ich habe mal 150 Briefkästen mit unserem Anschreiben für Nachbarn beflyert, aber da ist leider kein neuer Router hinzugekommen.

Nachdem der »wilde VoIP-Telefonierer« aus Mangel an Alternativen (es gibt halt nur die zwei Knoten bei uns) nun von mir zu @postapo »weitergezogen« ist: Hat jemand Ideen, wie man solche Situationen (diese konkret, aber auch allgemein gesehen) lösen kann? Welche soziale Arbeit kann man als Freifunker leisten um solche Situationen zu entschärfen? Es würde Freifunk unrecht tun, wenn sich in der Nachbarschaft rumspricht »schaff dir bloß keinen Knoten an, das lockt Menschen an!!!1111einselfempör!1«.

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Da wir hier einen eigenen Thread haben würde mich interessieren, ob dazu jemand Details hat. Hat das schon jemand konkret beobachtet, weiß jemand welche Software benutzt wird?

Natürlich kenne ich die üblichen Verdächtigen (Skype etcpp) und bin in meinem Teamspeak-Server auch schon in das eine oder andere Gespräch von Fernbeziehungen dazu gekommen.
Dennoch habe ich gerade in Gruppen so etwas noch nie selbst beobachtet. “Telefonate” laufen dort meistens durch Austausch von Voice-Nachrichten via Messenger ab. Und die Leute die das tun verziehen sich lieber in eine ruhige Ecke, wo ihnen keiner zu hört.

Die Frage sehe ich übrigens unabhängig von der Frage was man mit lautstark erzählenden Leuten zur nachtschlafender Zeit vor der Haustür macht. Meine Meinung ist zwar dass die Nutzung des Internets eher leise ist, zumindest wenn man von gemeinsamen Ergötzung von YT-Filmchen absieht. Das heißt allerdings nicht dass die Leute drumrum zwingend leise sind - eher das Gegenteil.

Da sind wir Deutschen halt etwas sensibler als Leute in anderen Ländern…

Und leider gibt es eben auch Nutzer, die wenig Rücksicht nehmen. In Ladenburg sitze oft Flüchtlinge auf der Treppe vom Rathaus gegenüber der Bibliothek … die sind aber leise… bei mir und meinen Knoten hab ich so was nicht beobachten können. Ich habe bis zu 15 Nutzer gleichzeitig, aber nur sehr selten konnte ich jemanden auf der Straße stehen sehen.

Ich denke auch, man kann solche Nutzer - wenn man sie als solche erkennt - auch erst mal freundlcih ansprechen. Wir wollen ja, dass sie das benutzen, aber nach 22:00 sollte das eben auf der Straße, vor den Schlafzimmerfenstern ohne Geräusche passieren.

Ich kann verstehen, dass man dann als letzte Lösung auch das WLAN abstellt, aber vielleicht kann man ja auch ne Lösung finden, dass man noch einen Knoten aufstellt, der einen besseren Nutzungsort zugänglich macht, wo es nicht so stört.

Ich denke da gibt es kein generelles Rezept. Zwei Erfahrungen von mir:

a) Straßenfest, eine Gruppe angeheiterter Jungerwachsener kommt vom Fest her, ich liege im Bett bei offenem Fenster direkt an Straße. “hey, warte mal, ich hab hier Internet” “echt nagut” “cool, xy hat zv gemacht schreibt er gerade” “aha, *weiter quassel”. Gegenüber steht ein Kram, dazu die Baustellabsperrung, ein kleiner Erdhaufen -> die Gruppe lässt sich nieder. Die Internetnutzung ist bereits eingestellt, aber das Straßenfest ist dicht und hier ist offenbar ein netter Ort zum Quasseln -> wird gemacht.
Ich bin nach ner halben Stunde (und zwei Anstupsern von meiner Frau dass sie endlich schlafen will) dann raus. Hab gesagt dass ich gerne Internet stelle aber auch gerne schlafe. Nach 2 Minuten zog die Gruppe weiter.

b) 3000 Seelen Gemeinde, wurde zur Unterbringung von 500 Geflüchteten verdonnert, im ganzen Kaff gibt es kein freies Wlan außer bei meinem Bruder (hab ich dort hingehängt).
Tagsüber waren immer so 10 Leute auf der Straße. Immer im Abstand von 2-3m, einzeln für sich, mit Headset. Die Nachbarin gegenüber hat regelmäßig Mineralwasser zur Verfügung gestellt (in der Unterkunft war Berichten zu folge Mangelware, bzw rationiert). Eine Nachbarin schräg gegenüber war sehr kritisch. Diese hat mir dann auch irgendwann freudestrahlend erzählt “heute war die Polizei da, die suchen Sie - jetzt ist das bald vorbei”. Ich hab dann bei der Polizei angerufen - dort war nichts bekannt.
Inzwischen ist die provisorische Unterkunft wieder geräumt. Ich sehe dass nahezu konstant 5-6 Leute eingeloggt sind. Da ich nie jemanden auf der Straße sehe scheinen es die Nachbarn zu sein.

Auf Flyer usw bekam ich übrigens auch noch nie Rückmeldung.

Es ist wohl auch Viber und der Facebook Messenger als Software beliebt. Im konkreten Fall ist das so, dass einfach ein Mann in einer sehr ruhigen Nachbarschafft (hier werden um 10 die Gehwege hochgeklappt) auf der Straße/auf dem Damm steht und redet. Kein Geschrei, einfach nur ein Mann, er im dunkeln (und jetzt in der Kälte) draußen steht und ein paar Sätze erzählt, dann wieder still ist (weil der Gesprächspartner redet) und dann wieder erzählt. Es mag absurd klingen, aber es gibt Menschen für die ist sowas ein Problem bis hin zu einer gefühlten Bedrohungssituation. Ja, danke Panikmache… :(

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Ich bin selbst Landei und kann das nachvollziehen. Letztlich wohne ich ja auf dem Land weil es dort eben leise ist - und man nachts jedes Auto einzeln am Geräusch identifizieren kann das irgendwo durch den Ort fährt.

Und da fällt alles auf was nur das kleinste Geräusch macht. Seien es die Katzen die sich irgendwo zoffen, oder die Mader die über die Straße huschen oder das unerträgliche Gebrüll der Vögel am Morgen.

Natürlich auch jemand der auf der Straße regelmäßig rumsteht. Und ja, da der da unüblich ist wird er erstmal argwöhnisch beobachtet und wird Bestandteil der Diskussion unter Nachbarn. Nach meiner Erfahrung gewöhnt man sich aber mit der Zeit dran, genauso wie man sich an den Jogger gewöhnt der immer um 23:15h vorbei kommt, die Nachbarn Müller die abends ihren Wein immer draußen trinken und an die neue Katze von Schulzes die offenbar die von Meiers nicht mag. Gab es diese Gewöhnung bei Dir in der Nachbarschaft nicht?

@rgr normale Leute würde sich dran gewöhnen, wenn es tatsächlich nicht so laut ist.
Aber es gibt leider auch immer Leute wie meinen Vermieter:
Ich hab mir an meine eigene Einganstür einen Batterie-LED-Bewegungsmelder gemacht. Der leuchtet den Hof entlang (kein Licht auf dem Hof) damit ich im Dunklen das Schloss finden kann. Es blendet keinen, leuchtet nicht in ein Fenster und ist nur an wenn man da her geht. Fast jeden Tag ist der verstellt, leuchtet dann nicht mehr den Hof entlang, sondern an meine Tür. Der hat nicht EINMAL mit mir geredet, dass ihn das stört oder warum. Der redet mit niemandem … brabbelt sich nur so in den Bart.
Letzte Woche war der dann einfach weg, der LED-Bewegungsmelder… Ich hab dann die Vermieterin angerufen (er geht NIE ans Telefon) und hab ihr gesagt, dass ich den wieder haben will, weil es MEINER ist… Zwei Tage später war er wieder da.

Aber jeden Tag ist er wieder verstellt.

Was willst du mit so Leuten reden oder an welchen Verstand appeliert man da?

Also einen Versuch ist es immer Wert, aber manchmal muss man sich leider der stumpfen Paranoia geschlagen geben…

Hier in Lorsch hatten wir vor etwas längerer Zeit einen ähnlichen Fall. Der Dönerladen war der erste Freifunk-Knoten in der Innenstadt (mittlerweile Lorsch-012, https://map.ffrn.de/#!v:m;n:14cc20a592d6 ) , und der Betreiber hat ihn dann irgendwann immer häufiger ausgeschaltet, weil sehr viele Leute vor seinem Restaurant rumgelungert haben. Das waren größtenteils Flüchtlinge, ich weiß nicht mehr ob die telefoniert haben oder nur gesurft.

Die Lage hat sich dann dahingehend geändert, dass mittlerweile an sehr vielen Stellen in Lorsch Freifunk verfügbar ist, insbesondere in den meisten Unterkünften.

Das war halt die optimale Lösung, die natürlich kein Patentrezept für andere Gegenden ist. Aber ich wollte sie hier zumindest auflisten, das sie zum Thema passt.

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Noch eine kleine Anekdote: Uns wurde mal von einer Installation erzählt, die nachts von großen Menschengruppen heimgesucht werden würde. Diese würden nicht nur Müll hinterlassen sondern auch Dinge kaputt machen. Deshalb müsse die Installation leider abgebaut werden. Ein Blick ins Graphana verriet übrigens, dass nachts eigentlich nie jemand online war…

Also zusammengefasst bisher: Mit den Leuten reden, auch wenn es schwierig und manchmal unmöglich ist. Und: Alternativangebote schaffen.

Mein Problem als Betreiber eines Geschäfts ist da natürlich, dass ich nur tagsüber anwesend bin. Von daher ist eine Ansprache nur möglich, wenn ich mal Notdienst habe (und da gehe ich normalerweise nicht raus um zu schauen, wer da Freifunk nutzt ;-) ). Und als Inhaber eines Ladens ist man natürlich bestrebt mit den Nachbarn keine Probleme zu haben, das ist eben anders als ich als Privatmensch, wo ich es vielleicht darauf ankommen lassen würde.

Wenn wir mehr Freifunk-Knoten in Neckarhausen hätten, wäre das natürlich toll und würde bestimmt das wenige, was stört, entzerren. Da die Anzahl der Geschäfte aber nur noch sehr gering ist (das übliche Problem, nicht nur in so kleinen Gemeinden), wird das schwierig.

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