Vorgehensweise und Erfahrung bei Werbung für FFRN

Hallo,

Ich würde bei mir in Sandhausen die Freifunk-Idee vorantreiben.
Meine Frage an euch ist, wie eure Einschätzung ist, wie man am besten vorgeht und welche Argumente bei Nachbarn, Geschäften und Gemeinden am besten ziehen?

Die Argumente, die am besten “ziehen” sind leider die, die einem nachher Probleme bereiten können.

Freifunk kann man gut als “kostenlosen HotSpot” bewerben und in den Vordergrund stellen, dass man als Wirt damit aus der Haftung raus ist und nur kleine, einmalige Kosten anfallen. Allerdings ist Freifunk eben kein “Anbieter” , garantiert keine Dienstqualität und so kann es passieren, dass dann Unzufriedenheit aufkommt, weil es mal zu langsam ist oder es Ausfälle gibt.

Das gleiche gilt auch für Mesh-Only-Knoten … da kann man natürlich in den Vordergrund stellen, dass der betreffende dann dort Internet hat, ohne extra noch mal dafür einen Anschluss zu brauchen. Aber das Mesh ist eben auch empfindlich und es kommt schon öfters mal zu Problemen. Dann gibts die Daten nur langsam oder auch mal gar nicht.

Die Idee ist eigentlich ein “freies Netz” zu verbreiten… nur dass das - außer für Nerds - oft wenig wichtig erscheint. Die Hotspot-Funktion ist eher ein Nebenthema. Meshing ist eine echt tolle Sache, aber es macht das Netz für ALLE in der lokalen Wolke langsamer und es ist nicht 100% zuverlässig.

Leider sind Argumente wie : “Der Anschluss wird so besser genutzt und man tut den Mitmenschen was gutes” oft unverstanden. Etwas, wofür man selber viel Geld zahlt, kostenlos mit der Nachbarschaft zu teilen, ist nicht eben logisch für viele. Offene Netze und die Möglichkeit IPv6 zu nutzen oder uneingeschränkt auch zu basteln, ohne dass der Provider mit NAT oder anderen unschönen Dingen dazwischengrätscht, sind eben auch wieder uninteressant für “normale User”

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Was @bitboy0 sagt, kann ich so unterschreiben. Ich plaudere einfach mal aus dem Nähkästchen und reflektiere meine Erfahrungen der letzten Jahre: Der einfache Weg (»Internet-HotSpot für wenig Geld!«) kann zu schnellem Knotenwachstum führen und dann wie ein Bummerang zurückkommen. Auch hab ich schlechte Erfahrungen damit gemacht Freunden einfach einen Knoten zu schenken. Es klingt doof, aber man muss irgendwie eine persönliche Bindung zu dem Projekt herstellen. Wenn man einen Knoten verschenkt, dann empfiehlt es sich diesen mit dem/der Beschenkten zusammen zu flashen und dabei zu erklären, was man tut. Es muss nicht im Detail sein, aber man sollte verstehen, dass das Internet keine Ware ist, die man bei der Telekom oder an der Kasse vom Aldi für ein paar Euro kauft. Dass man es selbst mitgestalten kann. Dass man manchmal noch Spaß am Gerät haben und andere Software draufmachen kann und nicht alles (Gott-/Eris-/Fliegendes-Spaghettimonster-)gegeben ist. Ich hab meine »Bildungsziele« insofern ziemlich reduziert. Bei Freunden und Familien wird meist auch die Zeit, die man aufbringt um sich gemeinsam mal wieder zusammenzusetzen, mehr wertgeschätzt als so ein kleiner Plastekasten für <20€.

Bei der Politik ist es wichtig zu vermitteln, dass Freifunk von Bürgern getragen wird. Man investiert sozusagen in lokale Strukturen, statt einem Anbieter für ein paar Jahre Geld in den Rachen zu werfen. Man hat vielleicht keine festen Supportverträge, aber man hat direkt die Bürger die ein Eigeninteresse daran haben gemeinsam ein Netz aufzubauen. Wie cool wäre es für eine Stadt zu sagen »Unsere Bürger haben gemeinschaftlich die Stadt/den Platz/die Fußgängerzone vernetzt« im Gegensatz zu »Wir haben Anbieter X Geld gegeben, damit er ein paar Router aufstellt.«… Oder: »Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt, jedes neue Gewerbe bekommt von uns ein Willkommenspaket, in dem natürlich auch ein Freifunk-Router drin ist. Um zu zeigen, dass wir wissen, wie wichtig das Netz für alle geworden ist«. Leider stehen wir in dem Bereich der Politik noch ganz am Anfang, das kostet viel Zeit, Nerven und man braucht Beziehungen und muss das gut koordinieren. Ich würde das gerne zukünftig gezielter angehen, aber mir fehlt dafür Zeit…

Für Kneipen, Bars, Restaurants gilt auch: Wir sind keine Vertreter, wir verkaufen kein Produkt. Wenn das klar ist, dann ist es kein Problem. Entsprechend sollte aber auch die Kommunikation klar sein: Wenn es vor Ort Probleme gibt, fallen die nicht automatisch auf. Wenn sich niemand meldet (Forum oder bei der Person, die Freifunk vorgestellt hat), dann kann auch niemand helfen. Generell kann man sagen: Wenn die Einrichtung verstanden hat, dass sie »An der Freifunk Community teil hat und diese durch das aufstellen eines Routers unterstützt« statt »ihren Gästen kostenloses Internet dank/über Freifunk zur verfügung stellt«, dann ist das eine gesunde Basis. Es hilft niemanden, wenn man wild überall Router deployed und diese sich dann in einem kleinen Umkreis gegenseitig massiv stören, durch das Hidden Station und zu wenig Uplinks.

Zur Information an Nachbarn haben wir mal Anschrieben erstellt, die man zusammen mit einem Flyer in den Briefkasten werfen kann. Ich hab mal 200 in meiner Nachbarschaft verteilt, messbares Ergebnis (Anfragen, neue Router, etc.) war gleich Null. Ich red es mir noch schön mit »Jetzt wissen die Leute wenigstens, was Freifunk ist und das sie es gerne nutzen dürfen und wie sie sogar mitmachen können«, aber nochmal würde ich das nicht machen. Zu viel Aufwand für zu wenig Ergebnis.

Was gut geklappt hat war ein Stand auf der Erföffnungsfeier des Makerspaces des DAI in Heidelberg: Da hatten wir viele gute Gespräche und auch entsprechend interessierte Menschen, denen man die Vision vermitteln konnte. So konnte man im Dialog klar rüberbringen, was die Idee hinter Freifunk ist.

Deshalb generell: Lieber weniger Router, die mehr Liebe abbekommen. Ich weiß, es ist schwierig zu erklären und nach all den Jahren muss ich immer noch sehr weit ausholen um Freifunk zu erklären, aber es lohnt sich. Die Anzahl an Knoten ist nicht ausschlaggebend, es ist kein Wettrennen. Unterm Strich kann man sagen: Mit dem Internet-Hotspot-Feature lockt man Leute an, aber danach muss man auch mehr bieten. Bei uns ist das eben die Vision, dass das Internet ein Ort ist, den wir gemeinschaftlich mitgestalten können, mit allen Vor- und Nachteilen.

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Dank euch für eure ausführlichen Antworten. Meine Einschätzung deckt sich mit euren Erfahrungen. Ich kenne die Probleme mit der Verbreitung versus Begeisterung von Linux im meinem Umfeld.
Deshalb finde ich es auch wichtig gut zu Argumentieren und die Idee des freien Netzes zu vertreten.
Da ich noch sehr neu dabei bin, tue ich mich schwer in der Argumentation.

Ich habe mir überlegt welche argumentierbaren Vorteile verschiedene Zielgruppen für sich in Freifunk sehen (können). Ich persönlich mache mit weil ich die Idee eines freien, redundanten Netzwerks schätze. Für Werbung z.B. im Freundeskreis reicht dieser Punkt jedoch in der Regel nicht.

Für mich ergeben sich drei Gruppen, die man vielleicht unterschiedlich abholen kann.
Zum ersten, Nachbarn, Bekannte und Freunde. Bei diesen überwiegt meiner Einschätzung nach zunächtst das Argument des freien Wlan’s z.B. für Gäste sowie einen später potentiell vorhanden Ausfallsicherheit.

Für Firmen, Gaststätten und Geschäfte kann man mit dem Standort-Vorteil des freien Wlan Werben, doch ich könnte mir jedoch vorstellen, dass diese auch Interesse an lokalen (eventuell knotenspezifischen) Diensten hätten (z.B. Speisekarten, etc.)

Bei der Gemeinde, Vereinen und Institutionen denke ich neben oben erwähnten an die Möglichkeit auch Dienstleistungen der selben anzubieten (Information, Formulare, Bekanntmachungen, etc.).

Ich habe leider keine konkreten Umsetzungen bezüglich knotenspezifischer Dienste bzw. Landing-Pages gefunden.
Beim Gestalten des Internets (Freifunknetzes) fehlen mir neben den allgemeinen Diensten eben noch solche die speziell im freien Netz sinn machen.

Gibt es eigentlich offiziell abgesegnete Werbemedien (Anzeigen z.B. fürs Gemeindeblatt, Flyer, Plakate) um auf Freifunk aufmerksam zu machen?

2 Beiträge wurden in ein neues Thema verschoben: Mini Website oder Übersicht der Dienste auf bzw. für einem Knoten?