Werteverständniss im Verein

Hallo zusammen,
als gemeinnütziger Verein sollten wir eigentlich unsere Einkaufspolitik überdenken, ich möchte mal folgende Thesen zur Diskussion in den Raum stellen und bin gespannt, was Euch noch einfällt.

  • Wir sollten nicht bei großen Online-Versandhändlern einkaufen, schon erst recht nicht bei denen, die keine Steuern in DE zahlen…
  • Serverprovider die sich durch vernünftig gelebte Netzpolitik hervorheben, sollten unsere erste Wahl sein.
  • Wir sollten eine Leitlinie erarbeiten, die solche Dinge beschreibt.

Vieles davon machen wir ja schon, z.B. sind wir bei einem Provider, der sich offen für Netzneutralität ausspricht. Diese Werte sollten wir auch in allen anderen Bereichen leben!

Das ist eine Berechtigte Anregung. Die Frage ist nur wo fangen wir an und wo hören wir mit den nachhaltigen Werten auf?

Beginnen können wir bei großen Versendern, weiter machen bei Paketdiensten, Routerherstellern, die hier zu günstigen Preisen die Geräte verschachern, Wo möglicherweise Hungerlöhne an die Menschen bei schlechten Bedingungen in der Fabrik gezahlt werden. Oder wir denken an Menschen die in Kriesengebieten oder Drittweltländern die teilweise unter Zwang oder als Kinder in die Mienen gehen (Zinn, Kupfer, seltene Erden).

Die Frage ist wo beginnen und wo aufhören und
sind wir bereit dafür deutlich mehr Geld auszugeben?

Ist das was Du Dir wünschst ein Wunsch nach fairer hergestellter und direktvertriebener Hardware, wie beispielsweise die faire Maus oder das Fairphone?

Also ein Anfang wäre es, wenn wir als gemeinnütziger Verein beim Einkauf den Einzelhandel bevorzugen und auf CO2 Vermeidung beim Transport achten…
Als Vorschläge also:

  • Beim Preisvergleich darf der lokale Einzelhandel bis zu 20% teurer sein, als der billigste Onlinehändler (inkl. Porto).
  • Grundsätzlich um CO2 zu sparen, keine Importe aus dem Ausland.

Prinzipiell versteh ich das.
Aber wenn man diese Rechnung z.B. mal an den FFRN Hilft Projekten aufmacht, heißen 20% Mehrausgaben bei der Hardware Anschaffung im Umkehrschluß auch 20% weniger Unterkünfte die versorgt werden können.
Beispiel: Ein TL-WR841N/ND kostet beim lokalen Händler z.B. 24€, beim Onlinehändler aber gerade mal 16€ +Versand. Wenn ich beim lokalen Händler 10 Geräte kaufe, bekomme ich beim Onlinehändler dann schon satte 5-6 Geräte mehr. Zum gleichen Preis. 5 Geräte mehr, die man für soziale Zwecke einsetzen kann.
Was sollte da deiner Meinung nach Überwiegen?

Zudem mag ich bezweifeln, dass ein Einzelhändler seine Geräte CO2 neutraler anschafft, als wenn man sie im Großhandel kauft. Eher im Gegenteil. Es handelt sich hierbei ja schließlich nicht um regionale Produkte (TP-Link made in China). Ein Einzelhändler hat zudem nicht die Umsatzzahlen wie ein Großhändler. Es werden mehrere kleinere Mengen bestellt. Das bedeutet dann auch mehr CO2 Emission beim Transport. Ein Großhändler kann da ganz anders kommissionieren.

Klar sollte man den lokalen Handel wo es geht unterstützen. Aber man muss halt werten, was einem da wichtiger ist. Ich bin eher skeptisch.

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Werden in Deutschland Router hergestellt, die sich für Freifunk eignen?

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Es geht natürlich um re-Importe um 2 Cents zu sparen…
Ist schon klar, dass das Zeug in China produziert wird.

Sonst keine Ergänzungen zu den anderen Punkten???

Die Erarbeitung von Leitlinien um der Erarbeitung von Leitlinien willen seh ich kritisch. Ich würde die Zeit lieber in die Erarbeitung von Anschreiben investieren. Ich hatte noch keine Situation, wo ich dachte »Das passt jetzt aber nicht zu unserem Werteverständnis«. Wenn wir sowas brauchen würden und in unseren Werten nicht auf einer Länge wären, würde ich mich einfach nicht mehr einbringen und meine Zeit mit einem anderen Projekt verbringen. Als Beispiel möchte ich Freifunk Hilft aufführen: Es gab noch nicht eine Person die überhaupt auf die Idee kam darüber zu diskutieren, ob wir Geflüchteten helfen oder nicht. Es versteht sich einfach von selbst und das ist in der aktuellen Stimmungslage nicht selbstverständlich. Hand hoch: Wer musste eklige Diskussionen zu dem Thema an Weihnachten mit der Familie führen?

Sollte jemand anderer Meinung sein und unbedingt eine Leitlinie erarbeiten wollen: Wir haben einen Pad-Server, einfach auf »Neues Pad klicken«, den Link verbreiten und gemeinsam losschreiben! Ich halte niemanden davon ab, wenn ihr denkt, dass man das verschriftlichen sollte. Ich denke nur, dass man die Zeit auch sinnvoller nutzen kann. Nach dem Anscheiben für Nachbarn wird übrigens das Anschreiben für Gewerbe kommen ;)

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Das fände ich sehr schade, wäre es dann nicht besser, diese Dinge zu diskutieren statt sich einfach selbst auszuschließen?

Das ist am Thema vorbei, es geht nur darum, mit welchen Geschäftspartnern wir zusammenarbeiten müssen und mit welchen nicht. Möchten wir z.B. bei einer Bank unser Vereinskonto haben, dass mit der Waffenindustrie zusammenarbeitet? Sicher nicht! Es versteht sich einfach von selbst.

Ich nicht. Im Gegenteil.

Zu dem ich große Teile begetragen hatte… Das finde ich jetzt etwas unverschämt…

Ich denke, das führt hier zu nichts mehr. Ich werde zur nächsten MV einen entsprechenden Antrag einbringen.

Ich sehe es als Gewinn, dass Freifunk so funktioniert, wie es das tut und das wir nicht über die grundsätzliche Richtung diskutieren. Eine Leitlinie zu erarbeiten ist einfach, in meinen Augen, vergeudete Zeit. Diese Zeit können wir an anderer Stelle besser gebrauchen. Was ist denn, wenn wir diese Leitlinie haben? Zeigen wir dann mit erhobenem Finger darauf? Ist es eine PR-Maßnahme um zu zeigen, wie gut wir sind? Sowas brauchst du als Firma, wenn man dir nicht abnimmt, dass du dir zu wichtigen Themen Gedanken gemacht hast. Wir sind aber keine Firma und funktionieren komplett anders! Deswegen ist es schädlich Firmen-artige Strukturen einzuführen.

Eine Leitlinie ist ja nett, aber sie wird geschrieben um draufzuzeigen und zu sagen »und so machen wirs!«. Das Gute an Freifunk: Wir machen es schon so. Und wenn wir es nicht machen, dann helfen hierarchische Konzepte wie eine Leitlinie auch nicht. Außerdem merken die Leute, wenn wir hier goß Leitlinien aufstellen und dann doch anders handeln. Wenn die Leute sich nicht mit Freifunk identifizieren, dann gehen sie einfach. Mitarbeiter kannst du mit so einer Leitlinie auf Linie bringen. Leute, mit denen ich diskutieren muss, warum wir Geflüchteten selbstverständlich helfen, will ich nicht auf Linie bringen sondern gar nicht erst in diesem Projekt haben. Oder, um von diesem Extrembeispiel abzuweichen: Ich freue mich, dass sich so viele Menschen schon über Nachhaltigkeit Gedanken machen. Ich nehme es aber niemandem übel, wenn er noch nicht drüber nachgedacht hat. Statt einer Leitlinie mit bunten Phrasen wäre es in diesem Fall sinnvoller im Wiki ausschließlich nachhaltige Bezugsquellen zu sammeln und bei Fragen darauf zu verweisen. Damit bringst du Menschen dann dazu sich über das Thema Gedanken zu machen.

Ich finde den Ansatz lobenswert, aber statt Papier zu produzieren, dass eh niemand liest, fände ich es eben sinnvoller direkt an einer Lösung zu arbeiten. Natürlich darfst du gerne einen Antrag einbringen, es war nicht zynisch oder ironisch gemeint als ich vorschlug, dass du das über ein Pad probierst. Wenn wir gemeinsam so einen Antrag erarbeiten wird er ebenfalls bunter und breiter als man das alleine könnte. Das führt ebenfalls zu einer höheren Chance, dass er angenommen wird.

Bitte verstehe meine Kritik an der Sache nicht als Angriff. Die Idee ist gut, der Weg ist nur falsch… Oder konkret: Wenn der Geist der Leitlinie in Freifunk steckt, brauchst du keine Leitlinie. Wenn er es nicht tut, hilft dir auch keine Leitlinie ihn reinzubekommen! Und ich schätze mich glücklich sagen zu können: wir brauchen das nicht, weil wir es schon leben.

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@marcus Du kannst doch ein Pad erstellen mit Tipps, was beim Einkauf empfehlenswert ist zu beachten, wenn man möglichst fair und klimaneutral einkaufen möchte. Handhaben kann das dann jeder in dem Maße wie er oder sie das möchte. Ich habe beispielsweise 90% meiner Router gebraucht gekauft. Was ich für das Beste halte.

In wie weit der Verein sich bei Einkäufen daran halten möchte lässt sich anschließend wunderbar in der Mitgliederversammlung besprechen.

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Das ist ein super Vorschlag, so machen wir es.

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Hallo zusammen,
ich habe mal angefangen im Wiki Bezugsquellen zu sammeln. Um Ergänzungen würde ich mich freuen: https://w.ffrn.de/doku.php?id=de:hardware:quellen

Leider war der Herr Schulz in Ladenburg nicht wirklich erreichbar. Bin extra an die Adresse gefahren und habe geklingelt. Dann telefonisch auf AB gesprochen und erst einen Rückruf bekommen, als die Router per Expressversand schon angekommen waren.

Ich hoffe da findet sich in Zukunft eine verlässlichere Quelle für passende Hardware!

Ich hab mit dem eben telefoniert. Der ist mächtig im Stress. Baut das Büro um und hat halt jede Menge Arbeit, Spontan mal eben hinfahren ist vermutlich nicht optimal.

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Naja, wenn der AB-Anruf am Freitag nach 19.oo Uhr erfolgt und mein Rückruf am Vormittag des folgenden Montags schon zu spät ist, dann ist es halt so!

Zur Info: Wir haben hier weder ein Ladengeschäft noch Amazon-Logistik. Bin 80% meiner Arbeitszeit unterwegs und werde wegen TP-Link Routern sicher nicht mein Wochenende abschaffen. Zudem habe ich eben erst gesehen dass wir in dieser Liste stehen. Sorry, mein Fehler, durchforste halt nicht täglich das Forum…

Ansonsten lässt es sich sicher nach Absprache einrichten, dass Router ggf. auch mal abends abgeholt werden können, 841er sind (fast) immer vorrätig.

Was kostet der 841er bei Dir?

Tut mir leid @aslax, dass das so gelaufen ist. Die Idee der Liste war lokale Händler zu unterstützen, nicht sie in so eine blöde Situation zu bringen…

Ich seh die Liste mit nur zwei Einträgen eh kritisch. Wenn wir nicht mehr lokale Händler (nicht jeder Händler hat ein Ladengeschäft!) haben, würde ich sie lieber gerne wieder einstampfen. Lokale Freifunkrouter aus biologischem Anbau gibt es eh nicht, die kamen alle mit dem gleichen Container aus China übers Meer. Ein Hinweis darauf, dass man lieber gebrauchte Router kaufen sollte, wäre hier einfach sinnvoller.

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@Gmon: TP-WR841N - Preis wäre EUR 18.80 (incl. MwSt.) für Freifunk-Anwendungen (was ich jetzt nicht weiter definiere…).

@Cheatha: Kein Problem. Überlege gerade, ob man irgendwo ein Depot einrichten könnte wo ein paar Geräte hinterlegt sind und jederzeit abgeholt werden könnten. Jemand eine Idee?

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Ein einfacher Hinweis, dass @aslax kein Ladengeschäft hat und nur nach Absprache da ist, könnte ja helfen. Leider weiß ich jetzt auch nicht welcher Laden in Ladenburg geeignet wäre, als Depot.

@Gmon: TP-WR841N - Preis wäre EUR 18.80 (incl. MwSt.) für Freifunk-Anwendungen (was ich jetzt nicht weiter definiere…).

Bei dem Preis verdienst Du ja keine erwaehnenswerte Summe, beruecksichtigt man noch das Handling, legst Du drauf. Finde es aber eine gute Sache, wenn man eben mal in der Ecke wohnt und flott ein paar Router braucht, doof nur, dass Du nicht immer sofort erreichbar bist. Ein Depot in Ladenburg waere super.