Unsere Vision für Freifunk Rhein-Neckar

Es gibt ein Thema, über das wir eigentlich schon lange hätten reden sollen: Unser Verständnis, was »Freifunk Rhein-Neckar« eigentlich ist. Für uns war es selbstverständlich, deswegen haben wir es bisher noch nicht so detailliert angesprochen. Vielleicht wäre es besser gewesen schon früher darüber zu reden. Andererseits erleben wir in unserer Community auch täglich, dass die hier formulierte Vision tatsächlich gelebt wird. Auch möchten wir feststellen, dass wir aktuell noch nicht den Punkt gekommen sehen, an dem dieser Beitrag in seiner Gänze relevant ist. Wir denken aber, dass es für die Community wichtig ist, diese gemeinsame Vision weiter zu verfolgen. Diese möchten wir daher hier konkreter ausformulieren um deutlich zu machen, wo die Reise hingeht.

Zunächst einmal ist unsere lokale Initiative, wie auch die ursprüngliche Freifunk Initiative, aus der Idee entstanden, ein offenes Netz zu bauen, freies Wissen über Technik zu verbreiten, Spaß an eben jener Technik zu haben und zu vermitteln und den sozialen Austausch und Zusammenhalt in der Region zu stärken.

Uns geht es weniger um den Zugang zum Internet, als darum, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und Technologien zu erproben und zu »zerforschen«, also kreativ zu erforschen und auseinanderzunehmen um sie besser zu verstehen. Es geht dort, wo wir einen Zugang zum Internet ermöglichen, in erster Linie nicht um den Zugang zum Internet an sich. Es geht um den Zugang zu Kommunikation und Information, sowie den sozialen Kontakt. Es geht darum uns alle zu befähigen, Dinge zu erschaffen. Dinge, die wir weder alleine schaffen, noch Dinge, die wir so kaufen können ohne unsere Freiheiten zu verlieren.

Für Freifunk Rhein-Neckar haben wir nie geplant, dass es für immer nur aus einer Community besteht. Wir haben viel mehr diese Community gegründet, um allen Menschen, die sich in der Metropolregion Rhein-Neckar für Freifunk begeistern, eine Anlaufstelle zu geben. Eine Anlaufstelle, die uns hilft, uns zu organisieren.

Wir waren uns bewusst das wir wachsen werden, sind aber trotzdem überrascht wie toll und groß die Ressonanz ist.

Dabei war uns von Anfang an klar, dass die Region auf Dauer das Potenzial für mehr als eine Community in sich trägt. Immerhin sind wir mit knapp über 2 Millionen Einwohnern eines der größten Ballungsgebiete des Landes. Wir als Freifunk Rhein-Neckar wollen dabei als Keimzelle für die Entwicklung von Freifunk in der Metropolregion dienen.

Der Plan ist, neue Communities dann zu gründen, wenn sich genug Menschen an einem Ort zusammengefunden haben, um die Freifunk-Idee selbstorganisiert weiter zu verbreiten. Solch eine Teilung oder Split erfordert vor, während und nach der Abspaltung natürlich eine gute Planung, viele Absprachen und gemeinsame Kooperation, um möglichst reibungslos abzulaufen. So soll z.B. nicht das ganze Gebiet geteilt werden, sondern immer nur ein Teilgebiet, also eine Stadt oder Gemeinde. So halten wir die Zahl der betroffenen Menschen gering und reduzieren den Aufwand eines Splits.

Langfristig soll diese Aufteilung an möglichst vielen Orten passieren, um den Freifunk-Gedanken immer weiter und dezentraler zu verbreiten. Man sollte Teilungen aber nicht um jeden Zweck erzwingen, sondern nur dort, wo sie auch sinnvoll sind. Gerade in der Rhein-Neckar-Region haben wir Orte und Regionen, in denen sich auch in Zukunft nicht genug mitwirkende Menschen für eine eigene Community finden lassen. Hier wird die Community Rhein-Neckar auch in Zukunft zentrale Anlaufstelle bleiben.

Neuen Communities sollen sich zwar selbstständig organisieren, die Vernetzung miteinander ist aber trotzdem wichtig. Dabei stellt Freifunk Rhein-Neckar den Communities eine gemeinsame Plattform zur Kommunikation und für die Infrastruktur zur Verfügung. So können wir alle von der lokalen Arbeit in den lokalen Initiaven profitieren, stärken die Dezentralität, müssen Arbeiten aber trotzdem nicht mehrfach erledigen. Dies betrifft Dokummentation, Hilfe, Technik und vieles mehr.

Außerdem bedeutet es auch, dass nicht jede Community einen eigenen Verein gründen muss, um nach außen aufzutreten, um sich rechtlich abzusichern oder um Spenden zu sammeln. Zudem werden wir so dem speziellen, sehr vernetzen Charakter der Metropolregion gerecht:, denn viele Menschen in der Metropolregion haben ihren Lebensmittelpunkt an einem anderen Ort als ihren Wohn- oder Arbeitsort, fühlen sich aber allen Orten verbunden.

Diese Rahmenbedingungen bedeutet also langfristig den Umbau der Community Rhein-Neckar in eine Meta-Community ähnlich dem Freifunk Rheinland. Genau aus diesem Grund planen wir schon seit langem, wie wir unser Netz und die Community fit für diese Entwicklung machen können. Dazu gehört, dass wir schon heute unsere Ressourcen für Morgen und Übermorgen planen. So bauen wir unsere Ressourcen wie Gateways und den Backbone kontinuierlich aus und planen langfristig eigene Ressorcen in lokalen Rechenzentren. Auch planen wir ein eigenes Autonomes System, die höchsten Ebene mit der ein Netzwerk am Internet teilhaben kann, zu schaffen. Das ermöglicht uns auch hier gemeinsam aufzutreten und die Infrastrukur für ein weiteres erfolgreiches Zusammenarbeiten zu schaffen.

Diese Vision vereint alle Vorteile: trotz gelebter Dezentralität können wir mit einer Stimme sprechen und eine gemeinsame Anlaufstelle bieten. Es ist uns möglich die Ressourcen effektiver zu nutzen und Ziele zu ereichen, die wir alleine nicht erreichen könnten. Gemeinsam.

Wir hoffen euch einen Eindruck zu geben, was wir mit unserer Community seit jeher anstreben und freuen uns auf Fragen und Anregungen zu diesem doch sehr wichtigen Thema.

Ben, Hermann, Martin, Lukas und Cheatha

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